Vorzeitig abgesetzt Space: 2063 Wer hört die Hörenden?

Wer hört die Hörenden?

Pssssst….jetzt seid mal alle ganz leise. Denn wir müssen sparen. An Dialog. In Zeiten, als Gimmick-Episoden noch nicht der heiße Scheiß war und wenn, dann überhaupt erst in der letzten Staffel zu finden waren, wartet „Space“ damit schon gleich Mitte der ersten Staffel auf, die (zugegeben) auch gleich die letzte Staffel der Serie war. Aber damit konnte damals(tm) noch niemand rechnen.

Wir werden nach einer nachträglich auf Wunsch des Senders eilig hinzugefügten Kurzeinführung in das Serienkonzept wortwörtlich ins kalte Wasser geschmissen: Coop, der zwischenzeitlich beim Bordfriseur war, taucht mit einem noch Namenlosen Kompagnon aus einem See auf einem von Chiggs besetzten Planeten auf. Sein Begeleiter segnet kurz darauf das Zeitliche und Coop kann wortwörtlich der Hinrichtung im letzten Moment von der Schippe springen. Nun begleiten wir Coop im Wesentlichen dabei, wie er sich gegen eine Übermacht an Chiggs und um das eigene Überleben kämpft. HIn und wieser muss er auf einer herrlich 90er-Jahre anmutenden Taschenrechner nachgucken, ob vielleicht doch die Rettungsmission kommt.

Wunder der Technik: Das Gerät hat nur Nummerntasten, aber man kann Text eingeben. Gut, wer noch T9 kann! Es würde allerdings helfen, wenn man auf einem feindlichen Planeten die Tastentöne abschalten kann.

Wunder der Technik: Das Gerät hat nur Nummerntasten, aber man kann Text eingeben. Gut, wer noch T9 kann! Es würde allerdings helfen, wenn man auf einem feindlichen Planeten die Tastentöne abschalten kann.

Und während er so über den Planeten stolpert, einen Chigg nach dem anderen dezimiert, so langsam seine Munition ausgeht, versucht er zunächst, Saschas güldene Regel zu befolgen und sich eine Waffe des Gegners zu schnappen. Was sagen wir nur suboptimal funktioniert. Warum er dann auf die Idee kommt, sich einen gegnerischen Helm auf den Kopf zu pflanzen, kommt uns nicht so richtig in den Kopf und sorgt für unfreiwillige Komik. Hier ist die Szene von Nachwuchsschauspieler Rowan A. nachgestellt:

Wir erfahren hier mehr über die Adoleszenz von Invitros, die als erstes eine Diashow vorgesetzt bekommen, in der wir nicht nur über die verschiedenen Arten lernen, einen Menschen zu töten, sondern auch, dass Amerika die Invitros liebt. Solange die auch schön Dissidenten, Terroristen und sonstige unliebsame Typen aus der Welt schaffen. Und unser Verdacht, dass die Zukunft des Jahres 2063 gar nicht mal so rosig, sondern eher konsequent den momentanen Weg in die Dystopie weitergezeichtet ist, bestätigt sich wieder einmal. Stell sich allerdings raus: Der Junge Coop hat eigene Gedanken. Und das sehen die Aufseher gar nicht so gerne. Coop kann der eigenen Auslöschung allerdings so gerade noch entkommen und wir sehen eine weitere Rückblende, die erklärt, wie und warum unser Lieblingstank auf den Planeten gekommen ist. Ein unschlagbarer Deal: Mitkommen, mitspielen und eine ehrenhafte Entlassung aus dem Armeedienst. Wir erinnern uns: Eigentlich wollte Coop ja gar nicht zu den Space Marines, sondern wurde gerichtlich dazu verdonnert.

„Hören Sie zu Hawks! Beim Friseur waren Sie schon, Sie Hippie! Sie sollten sich jetzt noch so einen coolen Schnauz wachsen lassen, wie ich. Das ist mein Glückschnauz! Damit bin ich noch immer lebend von jedem Einsatz zurückgekommen. Und ich bin mir sicher, ich werde bestimmt nicht nur für diese eine Folge bezahlt. Oder??!“

Wir erinnern uns auch: In den ersten Minuten der Folge wurde Coop am Kopf getroffen. Liegt es daran, an der Gesamtsituation oder an beidem, dass er sich eine seltsame Gestalt einbildet, die ihm wahlweise das Leben rettet oder nach dem selbigen trachtet.

Tatsächlich berichten einige wirkliche Soldaten von ähnlichen Erscheinungen in Nahtod-Momenten

Am Ende landet der rettende Transporter in der Ferne, Coop macht sich auf den Weg dahin und taucht ein letztes Mal ab. Zirkelschluss zum Anfang der Folge. Allerdings nicht, ohne vorher seine verdiente Entlassungsurkunde zu zerreissen, denn er hat seine Familie gefunden: Das 58te.

Und was finden wir? Toll! Sascha und Gregor hatten die Szenen in der Invitro-Akademie deutlich ausführlicher in Erinnerung. In der Realität sind sie kürzer, als erwartet. Und trotzdem nicht zu kurz. Sie erfüllen genau ihren Zweck. Die wenigen Sequenzen reichen, um sich eigene Gedanken zu machen. Und auf dem Planeten wird halt nix gesagt, dafür viel gezeigt. Und wir möchten diese Folge gerne Chris Chibball zeigen. Der Mann von Captain Janeway schafft es, die Beklemmung perfekt in Szene zu setzen und wie gut diese Folge ist, zeigt ja, dass wir länger als sonst über eine Episode reden, die fast komplett ohne Dialog auskommt und trotzdem so viel Anreiz zum Reden bietet. In Fankreisen gilt sie als eine der besten der Serie. Und tatsächlich war der junge Sascha damals(tm) ziemlich geflasht, dass eine als „Top Gun im Weltraum“ verschrieene Serie plötzlich mit SO WAS um die Ecke kommt. Folgen, die zum Denken anregen! In einer Kriegsserie.

Entsprechend hoch fallen unsere Wertungen aus:
Mary + Sascha 7 Staffeln
Gregor 6 Staffeln

 

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